Dietmar Schöning, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

Falsch aufgezäumt

Eine neue Fahrradbrücke über die Steinlach zu bauen, die das Verkehrsaufkommen auf der ebenfalls neu zu bauenden Steinlachbrücke im Zuge der Friedrichstraße verringert und damit den Verkehr für alle Verkehrsteilnehmer sicherer macht, kann eine vernünftige Idee sein. Das aber, was uns die Stadtverwaltung seit eineinhalb Jahren zu diesem Thema präsentiert, ist Stückwerk, bei dem niemand so recht absehen kann, wie der vordere, der hintere und vor allem der mittlere Teil zusammenpassen.

Klar ist, dass die neue Radbrücke einen anschließenden Radweg durch die Wöhrdstraße voraussetzt. Dessen Verträglichkeit mit dem zwangsläufig in der Wöhrdstraße verbleibenden Fußgänger- und PKW-Verkehr nachzuweisen, wäre zwingende Voraussetzung gewesen, um über eine Millionen-Investition in die Brücke entscheiden zu können. Dass dazu vor eineinhalb Jahren noch nichts vorlag, sprach schon damals dagegen, schnell Ja zu sagen; aber es war noch verständlich, weil man ja noch in das Radbrückenförderprogramm reinkommen wollte.

Dass sich aber auch jetzt noch nichts vorlegen ließ, das die zwangsläufigen Konflikte in der Wöhrdstraße benennt und Möglichkeiten aufzeigt, damit vernünftig umzugehen, ist mehr als enttäuschend. Denn in der Wöhrdstraße gibt es einen erheblichen Verkehr von und zum Neckarparkhaus, eine ganze Reihe von Arztpraxen, mehrere Betriebe und Einrichtungen der Gastronomie. All diese Nutzungen haben Fußgängerverkehr zur Folge, der sich nicht einfach aus der Wöhrdstraße herausverlagern lässt, weil er womöglich einen schnellen Radverkehr stört.

Das Beispiel zeigt: ein vernünftiges Radverkehrskonzept muss immer auch ein Fußgängerkonzept sein; das eine ohne da andere geht nicht. Vom Gebot wechselseitiger Rücksichtnahme nur zu reden, reicht nicht aus. Und vor diesem Hintergrund ist schon der Beginn der Wöhrdstraßenroute zwischen Karlstraße und Neckarbrücke extrem konfliktbelastet: Auf Radfahrer aus fünf Richtungen gleichzeitig achten zu sollen, ist für jeden Fußgänger eine Herausforderung, die schnell auch zur Überforderung werden kann.

Wenn ähnliche Konfliktsituation auch im weiteren Verlauf der Wöhrdstraße hingenommen werden sollen, halten wir das für unverantwortlich. Und deswegen haben wir Nein gesagt zu einem Konzept, das gänzlich falsch herum aufgezäumt ist.

Dietmar Schöning

Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

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