Statement der FDP Tübingen zur Situation der Universität Tübingen in der Covid-19-Pandemie

Wir begrüßen grundsätzlich die Maßnahmen und den Umgang mit der Covid-19-Pandemie durch die Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Uns ist der Ernst der Lage bewusst und auch die damit verbundenen Schwierigkeiten, sowohl auf Seite der Studierenden als auch auf Seiten der Universität. Auch was die Lehrenden und andere Beschäftigte der Universität leisten, ist uns bewusst.

Daher fordern wir, dass die aktuelle Phase, die maßgeblich durch digitale Lehre geprägt ist, tiefgreifend evaluiert wird, sobald sich die Lage wieder entspannt hat. Dass hier nicht alles perfekt läuft ist nicht ausschlaggebend, dennoch muss man attestieren, dass die Universität Tübingen, wie fast alle Universitäten in Deutschland, es in den letzten Jahren weitgehend versäumt haben, einen effektiven und zukunftsorientierten digitalen Lehrbetrieb einzurichten, der die grundlegende Präsenzlehre sinnvoll und vertiefend ergänzt. Beispielsweise spielten die Lehre im Allgemeinen und gerade die digitalen Kompetenzen von Professor/innen bei den Berufungsverfahren nur eine Nebenrolle. Vieles hiervon wird nun zwangsweise erprobt, hiervon profitieren aber alle nur, wenn wir die digitale Lehre als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zur Präsenzlehre sehen und auf den aktuellen Erfahrungen aufbauend ab dem Wintersemester 2020/21 einen regelmäßigen, vielfältigen digitalen Lehrbetrieb einrichten, damit wir fit für die Zukunft sind. Hier müssen gerade auch Kontakte zu internationalen Partneruniversitäten genutzt werden, um einen internationalen Austausch und eine internationale Zusammenarbeit unter den Studierenden zu ermöglichen. Wenn man online Seminare mit Teilnehmer/innen aus der Innenstadt, Lustnau und dem WHO ermöglichen kann, dann doch erst recht mit Teilnehmer/innen aus Tübingen, Aix-en-Provence und San Francisco. Das Tempo, in dem nun die ersten digitalen Lehrangebote eingerichtet wurden, gilt es dabei beizubehalten und so ab dem Wintersemester 2020/21 ein vielfältiges und flexibles E-Learning-Angebot sicherzustellen.

Außerdem dürfen den Studierenden durch die aktuelle Situation keine Nachteile entstehen. Allen muss es möglich sein, am digitalen Lehrbetrieb teilzunehmen, ohne einen immensen Kostenaufwand zu haben. Außerdem ist es auch gerade jetzt wichtig, sich als familienfreundliche Hochschule zu zeigen: So fordern wir auch eine Notbetreuung von Kindern von Studierenden und Beschäftigten mit Kind, damit diese ihr Studium und ihre Arbeit meistern können, aufbauend auf das aktuelle „Corona-Notprogramm-Familie“ der Universität Tübingen. Zudem muss die Barrierefreiheit auch und gerade in der digitalen Lehre sichergestellt sein. Mit alldem geht auch einher, endlich ein elternunabhängiges BAföG einzuführen, damit jeder Studierende dazu befähigt wird, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Auch lehnen wir die derzeit erhobenen Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer ab.                                                                                                                                                               Zudem kann die Situation gerade auch genutzt werden, um weiter günstigen Wohnraum für die Studierenden der nächsten Semester zu schaffen, damit durch weiteres Angebot die finanziellen Hürden für die Aufnahme eines Studiums gesenkt werden.

Auch die für viele Studierenden zentralen praktische Lehrveranstaltungen, wie beispielsweise Laborpraktika, müssen sobald wie möglich unter den notwendigen Hygienevorschriften abgehalten werden, um Verzögerungen des Studiums bestenfalls ganz zu vermeiden. Daher fordern wir auch die Abschaffung der generellen Anwesenheitspflicht im Studium, sowie insbesondere von Sitzscheinen. Wir setzen die Eigenverantwortlichkeit der Studierenden voraus und trauen allen zu, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Studium sinnvoll meistern.

Zudem ist es zentral, dass durch die Universität die Rechtssicherheit aller Prüfungen in diesem Sommersemester 2020 sichergestellt wird. Durch die aktuelle Situation darf es zu keinen Rechtsunsicherheiten zum Nachteil der Studierenden kommen. Eine Möglichkeit ist auch das Anfertigen von Prüfungen im Homeoffice oder online, jedoch müssen hierzu dann auch die digitalen Upload-Möglichkeiten verlässlich funktionieren, was leider zu Beginn nicht immer der Fall war.

Zum neuen Wintersemester fordern wir, auch aufgrund der aktuellen Situation an den Schulen, den Numerus Clausus abzuschaffen, um individuelle Auswahlverfahren an der Universität Tübingen zu etablieren. Dies sorgt für mehr Chancengerechtigkeit und schafft Vielfalt im Studium.

Zum Schluss möchten wir nochmal ausdrücklich betonen, dass wir uns bezüglich unserer Forderungen konstruktiv in den Dialog an der Universität Tübingen über unsere Mitglieder, die studieren, einbringen und somit etwas für alle zu erreichen versuchen.

Wir danken allen, die sich aktuell auch hochschulpolitischer Ebene dafür engagieren!                                       Bleibt alle gesund!

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