Migration und Integration

In Tübingen haben in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl von Menschen eine neue Heimat gefunden, denen amtlicherseits ein Migrationshintergrund zugeschrieben wird: Flüchtlinge, frühere Gastarbeiter, Spätaussiedler aus dem ehemaligen sowjetischen Machtbereich, Arbeitnehmer aus anderen EU-Staaten und Wissenschaftler aus aller Welt.

Integration von Flüchtlingen

Gegenwärtig scheint es geboten, sich vor allem auf die Integration von Flüchtlingen zu konzentrieren. Sie stellt unsere Gesellschaft nach wie vor, vor erhebliche Herausforderungen. Diese haben nicht nur mit der Förderung der Integration durch Sprache und Bildung, Ausbildung und Arbeit zu tun, sondern auch mit der Bereitschaft, sich als Flüchtling auf die sie aufnehmende Gesellschaft einzulassen, als eine vielfältige, respektvolle und tolerante Gesellschaft eines gelebten Grundgesetzes. Dieses sich Einlassen auf zentrale Werte und Normen unserer Gesellschaft, müssen wir erwarten können – ohne sie wird es eine gelungene Integration nicht geben.

Sprachkompetenz

Der Erwerb der deutschen Sprache durch die Flüchtlinge hat erhebliche Fortschritte gemacht, die sich auch in zunehmender Erwerbstätigkeit niederschlagen. Zugleich ist aber auch deutlich geworden, dass es in vielen Bereichen erforderlich ist, Sprachkompetenz mit dem Niveau B2 zu erwerben. Die Freien Demokraten bemühen sich darum, das diesbezügliche Angebot an Sprachkursen – auch durch Bundes- oder Landesförderung – deutlich zu erweitern.

Frühe Förderung

Zentral für die Gewährung und Nutzung von Chancen in unserer Gesellschaft ist das Bildungswesen. Frühe Förderung in Kindergarten und Schule, insbesondere eine alltagsintegrierte Förderung der Sprachkompetenz, kann maßgeblich dazu beitragen, Chancengleichheit zu verwirklichen. Auch hier ist eine vermehrte Förderung nach dem Modell der Sprach-Kita-Förderung des Bundes angezeigt.

Integrationszielvereinbarung

Die Beratung und Betreuung der Flüchtlinge unter Einschluss aller Familienangehörigen ist eine zentrale Aufgabe der Integrationsfachkräfte der öffentlichen Verwaltung. Das Instrument der Integrationszielvereinbarung beschreibt einen geeigneten Weg, mit den Betroffenen einen Konsens über die Wege und Ziele sowie die Teilschritte eines Integrationsprozesses herzustellen und deren Einhaltung auch überprüfen zu können.

Ehrenamt

Daneben ist das Ehrenamt ein unverzichtbarer Faktor der Alltagsintegration, das sich seit 2015 großartig bewährt hat. Es hat einen eigenständigen Rang und die vielen ehrenamtlichen Helfer/innen müssen von den Aufgaben der öffentlichen Verwaltung (mit dem entsprechenden bürokratischen Regelwerk) freigestellt sein.

Integration von Flüchtlingen vor Ort wird umso einfacher gelingen, je mehr es glückt, politische Absichtserklärungen auf Bundes- und Landesebene auch konkret Wirklichkeit werden zu lassen: Wir fordern also, dass den Kommunen grundsätzlich nur Flüchtlinge mit einer positiven Bleibeperspektive zuzuweisen sind, während diejenigen, bei denen eine Rückführung geboten ist, bis zu diesem Zeitpunkt in den zentralen Unterbringungseinrichtungen der Länder verbleiben.

Dezentrale Anschlussunterbringung

Für die dezentrale Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in der Zuständigkeit der Gemeinden hat die Stadt Tübingen ein vorbildliches Programm auf den Weg gebracht, dessen Einzelteile jetzt in zunehmendem Maße bezugsfertig sind. Sollten diese Wohnungen aufgrund weiterhin geringer Zugangszahlen nicht vollständig für die Flüchtlingsunterbringung benötigt werden, stehen sie für Zwecke des allgemeinen sozialen Wohnungsbaus zur Verfügung.

Kulturelle Integration

Ebenfalls staatliche wie kommunale Aufgabe, aber weit darüber hinausweisend und von öffentlichen Institutionen allein niemals leistbar, ist die kulturelle Integration, die sich im Sinne eines weit gefassten Kulturbegriffs nicht nur auf Kunst und Literatur bezieht, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen umfasst.